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 Die Engelein
Enrand ( gelöscht )
Beiträge:

12.12.2007 12:29
RE: Engelchen Gabor Antworten

Weihnachtsglöckchen
Enrico Andreas Brodbeck

Wenn im allgemeinen die Geschichte um Maria und Josef und dem Jesuskind erzählt wird, wissen die wenigsten das in gewissen Kreisen noch eine zweite Geschichte die Runde macht, welche kaum Beachtung findet. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass dieses außergewöhnliche Geschehen kaum ein Mensch wahrgenommen hat.
In jener Geschichte geht es um ein kleines Engelchen mit dem Namen Gabor. Es war ein Engelchen, das noch zur Schule ging und zwar in eine Grundschule für werdende Engel. Im richtigen Leben würde man Gabor als echten Lausebengel bezeichnen, da es ihm von je her nicht gefiel das er noch keine großen Flügel hatte, so wie die großen Engel. Seinen Unmut darüber erzählte er regelmäßig seinem besten Freund der auf den Namen Julius hörte, der anders als Gabor, rühiger und braver war und Gabor selten von der Seite wich. Eines Tages schlenderten Gabor und Julius über die Wolkendecke. Gabor hatte schlechte Laune, weil er im Flugunterricht nicht schnell genug war und deshalb eine schlechte Note erhalten hatte. Deshalb war er sich sicher, dass seine Flügelchen nicht ausreichend groß waren um Rekorde damit zu brechen.

„Was soll ich mit diesen Stummelflügel anfangen, damit kann man gar nicht schnell fliegen“, maulte er griesgrämig gegenüber dem Julius, der auch ein kleines Engelchen war und Dank Gabors ständigem Unfug den sie gemeinsam machten auch als Bengelchen bezeichnet wurde.
„Aber wir sind doch noch klein und ohne Erfahrung“, antwortete Julius, um seinen besten Freund in seiner Aufregung zu beruhigen.
„Pah“, sagte Gabor, „die großen Engel dürfen alles was ich gerne machen möchte. Die großen Engel blasen die laut schallenden Posaunen und ich blase in diese alberne Tute, die Großen streichen die wohlklingenden Seiten der Harfen und ich zupfe an ein unförmiges Gebilde mit ein paar Bindfäden, damit ich ein Gefühl und den Sinn für ein Instrument bekomme. Die Großen frohlocken das ehrwürdige „Hosianna in der Höhe“ und ich rufe immer nur Halleluja. Ausflüge zur Erde dürfen wir auch noch nicht machen, weil wir angeblich noch zu klein dafür sind! Stell dir eindas einmal vor, letzte Woche habe ich mitbekommen wie einer der ganz großen Engel den Auftrag erhalten hatte einer Frau zu erscheinen, um ihr eine Botschaft zu überbringen. Und was dürfen wir? Nicht einmal zur Himmelspforte dürfen wir fliegen, weil dort die Abenteurer von der Erde hochkommen und uns nicht sehen dürfen!"
Julius stand aufmerksam neben Gabor und bekam vor lauter Staunen seinen Mund nicht mehr zu.
„Bis du sicher das wir jemals richtige Engel werden, wenn wir neidisch über die Tätigkeiten der anderen Engel reden?“
Gabor verschränkte seine Arme auf den Rücken und schaute verlegen zum Himmelgewölbe.
„Wahrscheinlich nicht, aber das ist mir egal! Ich möchte, dass die Menschen dort unten auf der Erde jetzt wissen das es mich gibt und nicht erst in tausend Jahren!“
Julius setzte seine Stummelflügelchen etwas stärker in Bewegung und fing an kopfüber vor Gabors Gesicht zu schweben.
„Weißt du Gabor, alle kleinen Lebewesen müssen erst einmal etwas lernen und ihre Fähigkeiten trainieren, damit sie sich später in ihrer Umgebung gut zurechtfinden. Das mussten die großen Engel auch, als sie noch kleine Engelchen waren wie wir!“
Julius war sich sicher mit seinen Worten das Gemüt von Gabor ein wenig zu beruhigen. Stattdessen stapfte Gabor mit seinen Füßchen auf eine Wolke und bekam ein purpurrotes Gesicht.
Er war richtig sauer!
„Und, ...“, stammelte er aufgeregt, „und was ist mit dem Bengel den sie gerade fertig machen, um ihn auf die Erde zu schicken?“
Julius bekreuzigte sich erschrocken.
„Ho Gott, oh Gott, du meinst den Sohn vom Alten, äh ich meine vom Herrgott?“
„Natürlich meine ich den Bubi vom Alten“, sagte Gabor etwas barsch und drehte sich einmal um die eigene Achse.
„Stell dir das einmal vor! Der ist noch gar nicht unten auf der Erde angekommen, da kennt ihn schon die ganze Welt. Und wer kennt uns? Hast du jemals ein Gebet gehört in dem ein Mensch dich das Engelchen Julius um Hilfe gebeten hat?
„Nö“, antwortete Julius, „ ich hätte ihm aber auch nicht helfen können!“
„Siehste, sag ich doch, uns kennt keiner, wir sind nicht einmal in dem Buch gelistet!“
Julius verlor plötzlich das Gleichgewicht und plumpste seinem Freund direkt vor die Füße.
„Welches Buch meinst du eigentlich“, fragte Julius, und zupfte an seine Stummelflügelchen um zu prüfen ob sie noch heile waren.
„Ach nee, hat das Engelchen Julius im Unterricht geschlafen“, sagte Gabor und machte sich ein wenig größer, „ich spreche vom großen Buch der Engel in dem alle Engel, namentlich nach Kategorien geordnet, eingetragen sind.“
„Ach nee, hat das Engelchen Gabor da im Unterricht auch geschlafen“, antwortete Julius, macht eine lange Nase und zählte einige Engel auf, die sich ihre Flügel im Laufe der Jahrhunderte redlich verdient hatten.
Gabor malte unterdessen mit seinem großen Zeh ein paar Zeichen auf die Wolkedecke unter ihm, schaute zum Himmel empor und tat so als würde er sich gar nicht dafür interessieren was Julius von sich gab. Er schmollte.
Dieser Streber konnte einem auch jeglichen Spaß verderben!
Als Julius mit dem Aufzählen fertig war, drehte sich Gabor wieder zu ihm herum.
„Weißt du Julius, wir müssen etwas vollbringen an das sich alle im Himmel gerne erinnern!“
„Haste schon eine Idee, Gabor?“
„Nee, du?“
„Ich auch nicht!“
„Na dann lass uns einmal überlegen was wir tun könnten!“
Wenn die Engelchen im Schulunterricht einmal nicht weiter wussten, mussten sie geordnet im Kreis fliegen und über eine Lösung nachdenken. Das fliegen im Kreis sollte, nach Meinung der Engelausbilder, den Ideenfluss fördern. Die beiden Engelchen verschränkten ihre Arme auf den Rücken und senkten ihre Köpf. Wer genauer hinhörte konnte das Summen der Flügelchen hören, die emsig auf und nieder schlugen damit die Engelchen ruhigen Fluges ihre Runden drehen konnten.
„Ich hab’s“, prustet Gabor plötzlich heraus, stoppte sofort seinen seinen Flug und viel sogleich zu Boden, weil Julius garnicht so schnell bremsen konnte und mit Garbor zusammenstieß.
„Das wird der Knaller“, jubelte Gabor, packte Julius sogleich an sein Engelskleidchen und flog mit ihm wie der Blitz zu einem Ort, von dem er wusste das er dort etwas finden würde, nämlich etwas, das er für sein Vorhaben unbedingt gebrauchte.
Dort angekommen, öffnete Gabor eine riesengroße Truhe und kletterte hinein. Julius war einwenig unsicher, blieb vor der Truhe stehen und rief ihm hinterher.
„Was suchst du denn?“ - - - - - - „... du denn, - - - - -... du denn, - - - -... du denn, - - -... du denn!“
Außer dem Echo seiner Stimme, bekam Julius keine Antwort. Nach einer Weile kam Gabor aus der Truhe gekrochen und hielt etwas in seiner Hand. Es war ein kleines Glöckchen. Lieblich und fein war es und ein ungetrübter Glanz breitete sich aus als Gabor sein Händchen öffnete. Dann nahm er das Glöckchen vorsichtig zwischen Zeigefinger und Daumen und bewegte sein Händchen, so dass der kleine Schlegel sanft den Klangkörper berührte. Lieblich fein und glasklar verbreitete sich ein frohlockender Klang, der die Engelchen verzückte. Julius konnte gar nicht glauben was er da sah und hörte und kreiste mehrmals hoch erfreut um Gabor herum.
„Was hast du damit vor Gabor?“
„Man wird hören und staunen“, antwortete Gabor geheimnisvoll und verstaute das Glöckchen in die kleine Tasche seines Hemdchens.
In den nachfolgenden Tagen hatten Gabor und Julius wenig Zeit, um über das Vorhaben zu sprechen. Vor einem Himmelskuratorium probten die Engelchen neue Lieder, welche an dem Tag aller Tage am späten Abends gesungen werden sollten. Die großen Engel stimmten ihre Posaunen und Harfen und so manch ein Engel, aus dem großen Himmelschor, jodelte die himmlischen Tonleitern rauf und runter. Dann, am späten Abend des besagten Tages, war es endlich soweit. Die Engelchen wurden ermahnt sich ordentlich zu verhalten und weil sie alle so aufgeregt waren, hatten sie alle rot Ohren und rote Wangen. Deshalb sahen die Menschen auf der Erde einen glutroten Abendhimmel.
Die großen Engel machten ihre Sache perfekt. Während die himmlischen Chöre sangen, die Engelchen begleiteten sie mit ihren fibsigen Stimmchen, überbrachte ein auserwählter Engel einer Gruppe von Hirten die frohe Botschaft, das Gottes Sohn geboren sei. Andere Engel setzten ein Zeichen am Himmel, auf das die Menschen von Nah und Fern kommen sollten um dem Kind zu huldigen. Einige Könige, die jene Zeichen zu deuten wussten, machten sich sogleich auf den weiten Weg und nahmen Geschenke mit, um Gottes Sohn zu huldigen. Jesus, der Sohn Gottes, war von der langen Reise, die Maria und Josef machen musste so müde, dass er den Daumen in den Mund steckte und selig in der Krippe einschlief.
Interessiert verfolgte Gabor das Geschehen und war entrüstet. So hatte sich Garbor den Ablauf des Geburtstages vom Jesuskind und dessen Huldigung nicht vorgestellt.
Verpassen würde der Bubi was, wenn er weiter schlafen würde und einem schlafenden Kindlein in der Krippe würden die Menschen keine Beachung schenken und die Geschenke wieder mitnehmen. So die entsetzte Meinung von Gabor, der das Geschehen in dem Stall zu Bethlehem aus sicherer Entfernung beobachtete.
Genau diese Situation erkannte Gabors als großen Moment, eine Möglichkeit um eine aussergewöhnliche Tat zu vollbringen. Ohne das jemand es im Himmel merkte, flog er zur Erde hinunter, zwängte sich durch eine offene Stelle im Dach des Stalles und flog unbeachtet von den Anwesenden über die Krippe. Nur Ochs und Esel sahen und hörten was sich unmittelbar vor ihren Augen abspielte.
Gabor war entschlossen eine Tat zu vollbringen von der man noch in mehr als Tausend Jahren reden würde. Gottes Sohn musste um jeden Preis wach bleiben, damit die Gäste ein waches Kindlein sehen und ihm viele Geschenke geben würden.
Gabor formte sein linkes Händchen zu einer Tröte und schrien so laut er konnte: "He du da, hier wird nicht geschlafen Bubi, sonst gibt es keine Geschenke“, und mit dem rechten Händchen läutete er das kleine Glöckchen, das seinen lieblich feinen Klang verbreitete und weit in die Welt hinaus trug.
Erschrocken von dem Lärm, brüllte der Ochse lauthals, der Esel machte unaufhörlich „Ihhaa“ und das Jesuskind schrie vor Schreck wie am Spieß. Dann, als sich die erste Aufregung wieder gelegt hatte, kamen die ersten Hirten in den Stall und viel später drei Könige aus dem Morgenland, und so kam es zur ersten allgemeinen Bescherung nach Christi Geburt.

Ob Gabor mit seiner Aktion eine unvergessliche Tat voll bracht hatte, wurde leider nicht überliefert. Gott der Herr aber gab den Tieren die Gabe, in der Heiligen Nacht sprechen zu können. Und wenn man am Heiligabend in einen Stall geht wo ein Esel und ein Ochse sich aufhalten, kann man sie laut lachen hören, weil sie sich die Mär vom Engelchen Gabor erzählen.
Warum die Geschichte „Das Weihnachtsglöckchen“ heißt?
Weil jedes Jahr am Heiligabend viele Kinder ungeduldig auf das Christkind warten. Dann, wenn sie den lieblichen Klang eines Weihnachtsglöckchens vernehmen, war das Christkind da. Es folgt die Bescherung und alle Kinderherzen schlagen höher.
Wer von euch reinen Herzens ist und sich die Krippe in der Kirchen genauer anschaut, sieht vielleicht ein kleines Engelchen über dem Stall schweben, das uns mit seiner Anwesenheit ein schönes Weihnachtsfest beschert.


Gruß
Enrico

Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors .

[ Editiert von Enrand am 08.05.10 20:50 ]

[ Editiert von Enrand am 09.05.10 12:43 ]

[ Editiert von Enrand am 17.03.11 14:58 ]

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